„Gelernt habe ich, dass man auch mit Einschränkungen glücklich leben kann“
Schrenzerschülerinnen besuchten Schreibpartner im Haus Evergreen
Butzbach (pm). Bereits zu Beginn des 1. Halbjahres hatten die Schülerinnen des Wahl-Pflicht-Kurses „Kreatives Schreiben“ der IGS Schrenzerschule Briefe an ihnen bis dato unbekannte Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Evergreen geschrieben.
Barbara Mahlich vom Sozialen Dienst verteilte die Post unter den Bewohnern und diese schrieben dann zurück. Für die Mädchen des Kurses war das großartig, hatten ihre Schrei-Partner doch jetzt Namen und sie erfuhren aus deren Briefen mehr über deren Leben und erhielten Ratschläge, gute Wünsche und ganz viel Dank.
Erneut verfassten die Jugendlichen Briefe, stellte Fragen, erzählten und bekundeten ihre Freude auch ein persönliches Kennenlernen. Dann folgten selbstgebastelte Weihnachtskarten und schließlich die Weihnachtswunsch-Aktion des Pflegeheims, an der sich die Kursteilnehmerinnen mit viel Engagement und Herzblut beteiligten. In Geschenke investiert wurde das Preisgeld, das der letztjährige Kurs beim Jugendliteratur-Wettbewerb der OVAG gewonnen hatte, das waren immerhin 400 Euro.
Kürzlich war dann der große Tag: Die Mädchen besuchten mit Kursleiterin Kim Eva Voigt-Hilberger das Haus Evergreen und wurden dort schon mit Spannung erwartet. Im Foyer des Hauses warteten bereits viele Damen und zwei Herren auf die Gäste. Die Schülerinnen stellten sich kurz vor und nannten die Namen ihrer Schreib-Partner, so fanden sich schließlich Pärchen, die schnell miteinander ins Gespräch kamen.
Die teilweise sichtlich bewegten Bewohnerinnen und Bewohner zeigten den Mädchen individuell das Haus, Wohnbereiche, Terrasse, Garten und auch ihre Privatsphäre, ihre Zimmer, in denen die Gespräche dann fortgeführt wurden. Man unterhielt sich über persönliche Erinnerungsstücke, Familien, Schicksale und Lebenserfahrungen. Die jungen Menschen erhielten wertvolle Tipps fürs weitere Leben.
„Gelernt habe ich, dass man auch mit Einschränkungen glücklich leben kann“, sagt Schülerin Elizabeth (Wiederholungstäterin im Kurs), „und ich fand es schön, wie gut man sich austauschen konnte.“ Asmira zeigte sich glücklich: „Meine Schreib-Partnerin sagte, dass ich ihr große Freude mit meinen Briefen bereitet habe. Sie ist ein echter Herzensmensch und ich werde sie wieder besuchen.“ „Die Mitarbeiter und Bewohner waren sehr nett und mir gefiel es, mich mit ihnen zu unterhalten. Mit meinem Schreib-Partner konnte ich offen sein und über viele Themen reden, ich würde gerne noch einmal bei ihm vorbeischauen.“, so Emily. Josephine, die zum zweiten Mal dabei war, fand interessant, warum und wie ihre Brieffreundin ins Haus Evergreen gekommen ist und sie würde die Dame auch jederzeit wieder besuchen.
Lediglich eine Schülerin war ein wenig enttäuscht, weil ihre Schreib-Partnerin am Tag des Besuches nicht sehr redselig war, das ist halt leider auch eine Frage der Tagesform der Bewohnerinnen und Bewohner. Alles in Allem hat das kurze Eintauchen in „eine andere Welt“ wohl allen Beteiligten gutgetan.
„Immer wieder eine faszinierende Aktion“, waren sich Barbara Mahlich, Pflegerin Annette und Lehrerin Voigt-Hilberger einig. „Es ist nahezu unglaublich, was da passiert: Jugendliche (auch diejenigen, die sonst sehr still sind) reden mit ‚fremden‘ Menschen einer völlig anderen Generation, hören zu, erzählen selbst, sind unglaublich höflich und zuvorkommend, bringen Menschen zum Lächeln und umarmen diese.“, so die Kursleiterin.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Evergreen ist das eine willkommene Abwechslung zum Alltag, denn für viele sind die drei „Highlights“ am Tag Frühstück, Mittag und Abendbrot und für einige ab und an Besuch der Familie, wenn noch eine vorhanden ist.
Grund genug, über einen weiteren Schritt in die richtige Richtung nachzudenken. Gemeinsam wird jetzt überlegt, ob zukünftig Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims in die Schrenzerschule eingeladen werden, um aus ihren Leben zu berichten und zu sehen, wie Schule heute funktioniert und das Gespräch mit der „Generation Z“ zu suchen. Dass dies für beide Seiten durchaus positive Effekte hat, ist mittlerweile sehr deutlich geworden.